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Langenhagen und die Agenda 2030

Die offizielle Geschichte der Umsetzung der Agenda 2030 in Langenhagen scheint auf den ersten Blick schnell erzählt, doch es lohnt ein genaueres Hinsehen:

Vorgängerin der Agenda 2030 ist die Agenda 21: Sie war ist ein Aktionsprogramm der Vereinten Nationen. 178 Staaten beschlossen 1992 in Rio de Janeiro Leitlinien für die künftige und nachhaltige Entwicklung ihrer Staaten im 21. Jahrhundert.

Auch in Langenhagen befasste man sich mit der Lokalen Agenda 21. Es wurden zahlreiche Ideen und Handlungsempfehlungen entwickelt, die sich im Handeln der Verwaltung widerspiegeln. D doch in ihrer Bedeutung wurde dies damals eher unterschätzt.

2015 verabschiedeten 196 Staats- und Regierungschefs in New York die Agenda 2030, die mit ihren 17 nachhaltigen Entwicklungszielen (Sustainable Development Goals) Leitlinien für das verantwortliche Handeln der Zukunft gaben.

Die 17 Ziele stellen erstmals alle Staaten, ob arm oder reich, auf eine Stufe und mahnen für jeden Staat, gemessen an ihren Möglichkeiten der Umsetzung und in Gemeinsamkeit mit der Staatengemeinschaft, folgendes an:

  1. Keine Armut
  2. Kein Hunger
  3. Gesundheit und Wohlergehen
  4. Hochwertige Bildung
  5. Geschlechtergleichheit
  6. Sauberes Wasser und Sanitäranlagen
  7. Bezahlbare und saubere Energie
  8. Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum
  9. Industrie, Innovation und Infrastruktur
  10. eniger Ungleichheiten
  11. Nachhaltige Kommune
  12. Verantwortungsvoller Konsum und Produktion
  13. Maßnahmen zum Klimaschutz
  14. Leben unter Wasser
  15. Leben an Land
  16. Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen
  17. Partnerschaft

Für alle 17 Ziele gibt es Unterziele, um die abstrakten Ziele weiter zu erläutern. Das Bundesumweltamt hat zudem eine Liste erstellt, unter welchem Unterpunkt welche Maßnahme der Kommunen einzuordnen ist, denn: Bei der Umsetzung der Ziele stehen die Kommunen als wichtiger Multiplikator im Fokus.
Wie ging es in Langenhagen praktisch weiter:

Bereits 2016 bewarb sich Langenhagen mit unserer Freundschaftsstadt Bjieljina (Bosnien-Herzegowina) um die Teilnahme bei dem Bundesprojekt „Kommunal Nachhaltigkeitspartnerschaft“. Ein reger Austausch begann, es wurden Projekte entwickelt, Ideen ausgetauscht und gegenseitiger Respekt erarbeitet. Schnell stellte sich heraus, dass unsere serbischen Partner große Energie in die konzeptionelle Umsetzung der Agenda 2030 legen, während Langenhagen zunächst um kleinere und vermittelbare Projekte bemüht war.

Gemeinsam entwickelte sich eine Partnerschaft auf Augenhöhe, die dazu führte, dass Vertreter aus Langenhagen und Bijeljina in Bonn 2018 bei einem Kongress der UN mit über 4000 Besuchern einen Vortrag vor 120 Interessierten aus aller Welt hielten und an einer Podiumsdiskussion teilnahmen.

Global Festival of Action 2018, von links: Wolfgang Langrehr, Regine von der Haar, Mile Pejic, Ankica Todorovic

Kurz danach, im August 2018, begann Greta Thunberg die Aktion „Fridays for Future“. Im Dezember 2018 setzte die Politik in Langenhagen diesbezüglich ein Zeichen: Der Rat der Stadt Langenhagen entschied sich deutlich mehrheitlich dafür, die Resolution des Deutschen Städtetages zur Umsetzung der Agenda 2030 mitzuzeichnen. Zu diesem Zeitpunkt waren es nur ca. 100 Kommunen, die sich offiziell als Zeichnungskommunen sehen durften.

Im Frühjahr 2019 gab es dann in Zusammenarbeit mit zwei weiterführenden Schulen Aktionen, um die Agenda 2030 in den Medien weiter zu verankern. Eine weitere folgte im Sommer 2019.

Weitere Arbeiten, Überlegungen und Bemühungen liefen zunächst getrennt auf politischer und verwaltungsmäßiger Ebene: Die Politik stimmte sich interfraktionell über Klimaziele und Maßnahmen ab, die Verwaltung setzte viele Maßnahmen, die bereits die 17 Ziele betrafen, um.

Corona setzte diesem Tun zunächst ein jähes Ende, doch im September 2020 bekannte sich der Rat der Stadt Langenhagen zu umfangreichen Maßnahmen im Sinne des Klimaschutzes UND entschied gleichzeitig, sich für das Projekt „Global Nachhaltige Kommune Niedersachsen II“ zu bewerben.

Und tatsächlich, als eine von sieben niedersächsischen Kommunen wurde Langenhagen im Oktober 2020 ausgewählt. Worum geht es? Den ausgewählten Kommunen werden Berater zur Seite gestellt, die zunächst den Status der Stadt in Sachen „Umsetzung der 17 Ziele der Agenda 2030“ ermitteln und dies in einem Bericht zusammenfassen. Aus diesem Status Quo werden Handlungsfelder ermittelt, also Bereiche, an denen die betreffende Kommune dringend arbeiten muss. Im Fokus stehen beispielsweise Themen wie Verkehr, Rassismus, Bildung etc. In Diskussionsgruppen werden dann diese Handlungsfelder festgelegt und in der Folge auch Handlungsempfehlungen gegeben.

Um ein Beispiel zu geben: Im Bereich Verkehr wäre eine Handlungsempfehlung, bessere Radwege zu bauen. Dies entspricht bereits einem Beschluss des Rates – und daran sieht man, dass Langenhagen in Sachen Agenda schon weiter ist, als man denken mag.

Dafür gibt es zahlreiche Beispiele, die auch dem Klimaschutzbericht 2020 zu entnehmen sind.

Der weitere Prozess mit Engagement Global gGmbH, einer Volltochter der Bundes, wird Maßnahmen der Stadt in den Kontext der Agenda 2030 stellen und Handlungsmöglichkeiten eröffnen. Dieser Prozess wird unter Beteiligung der Politik, der Verwaltung, der Bürgerschaft und Interessensgruppen erfolgen.