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Pressemeldung

Jakobskreuzkraut mit Sachlichkeit betrachten

Jakobskreuzkraut
© Jakobskreuzkraut - ©tutto62/www.pixelio.de 
In den vergangenen Wochen gab es zum Thema Jakobskreuzkraut immer wieder Zeitungsartikel und Leserbriefe, die auf Gefahren im Zusammenhang mit dieser Pflanze verwiesen und Forderungen laut werden ließen, Jakobskreuzkraut zu bekämpfen bzw. auszurotten. Der dadurch in der Bevölkerung verursachten Verunsicherung möchte die Verwaltung mit dieser Pressemitteilung entgegenwirken und für mehr Aufklärung im Zusammenhang mit dieser Pflanze sorgen, speziell deshalb, weil es sehr schnell zu Verwechslungen mit einer ähnlich aussehenden Pflanze, dem Rainfarn, kommen kann.

Die meistens angesprochenen Brachflächen mit Jakobskreuzkraut im Weiherfeld dienen weder der Viehhaltung noch der Futterproduktion. Von diesen Flächen geht auch keine Gefahr für das benachbarte Wirtschaftsgrünland aus, da der Großteil der Samen innerhalb von 10 m zu Boden gelangt. Von daher ist dort eine Bekämpfung dieser Pflanzen nicht erforderlich, auch deshalb, da sie einen bedeutenden Beitrag zur Biodiversität leisten und es nicht um die Ausrottung dieser weit verbreiteten Pflanzenart gehen kann. Als weitere gelb blühende Pflanze kommt im Weiherfeld auch der Rainfarn vor, der dort teilweise Massenbestände ausbildet (z.B. innerhalb des Kreisels im Ortseingangsbereich) und mit dem Jakobskreuzkraut verwechselt werden kann.

Auch in den städtischen Straßenseitenstreifen, in denen das Jakobskreuzkraut stellenweise zu finden ist,  ist unserer Meinung nach eine Bekämpfung nicht erforderlich. Diese Bereiche werden bereits 3 x jährlich gemäht. Außerdem zeigt sich auch hier, dass der gelb blühende Rainfarn, ebenfalls wie im Weiherfeld, in diesen Seitenstreifen vorkommt und zu Verwechslungen führen kann.

Bezüglich der Gefährlichkeit der Pflanze für den Menschen verweisen wir auf eine Aussage von Dr. Wiedefeld vom Pharmazeutischen Institut der Universität Bonn (Ausgabe der Medical Tribune Nr. 26, 2009), der anmahnt, die Gefahr nicht zu überschätzen, da die akute Giftigkeit einer einzelnen Pflanze gering sei und Kinder z.B. Jakobskreuzkrautblätter ungefährdet in den Mund nehmen könnten.

Das Giftinformationszentrum Nord in Göttingen schätzt das Risiko für den Menschen zusammenfassend als gering ein. Die häufig erwähnte Teemischung, von der eine Mutter während der Schwangerschaft trank und zum Tod eines Neugeborenen in Baden-Württemberg führte, hat nicht Jakobskreuzkraut, sondern Beinwell enthalten. Bei der ebenfalls angesprochenen Salatmischung geht es ebenfalls nicht um das auffällige Jakobskreuzkraut, sondern um das Gewöhnliche Kreuzkraut, eine andere unscheinbare, kleinwüchsige Kreuzkraut-Art, die auf Äckern und in Gärten vorkommt. Beim Thema Honig weist der Deutsche Imkerbund in einer aktuellen Pressemitteilung ausdrücklich darauf hin, dass Deutscher Honig bezüglich der Giftstoffe des Jakobskreuzkrautes relativ unbedenklich sei und deshalb ein Grund zur Panik nicht bestehe. Zum anderen sei diese Pflanze als Bienenweide unattraktiv.

Eine Beseitigung dieser Pflanze um jeden Preis in der Nähe von Wohngebieten oder im Bereich von Kindergärten ist daher fachlich nicht notwendig und nicht verhältnismäßig. Sie wird auch in keiner Fachpublikation zu diesem Thema gefordert. Darüber hinaus werden die bisherigen Brachflächen im Weiherfeld aufgrund der weiteren Bebauung des Baugebietes zunehmend verschwinden.

Sowohl in der freien Landschaft als auch im städtischen Bereich gibt es zahlreiche Pflanzen, deren Inhaltsstoffe bei Mensch und Tier Gesundheitsstörungen hervorrufen können. Hier sind neben dem Scharfen Hahnenfuß z.B. Efeu, Eibe, Rosskastanie, Rhododendron oder der häufig in Gärten angepflanzte Lebensbaum zu nennen, der Krampfanfälle oder Nierenschäden verursachen kann.

Aufgrund der Vielzahl und Häufigkeit dieser Pflanzen kann weder im städtischen Bereich noch in der freien Natur dafür gesorgt werden, dass alle gifthaltigen Pflanzen beseitigt werden. Vielmehr muss der Umgang mit der Natur gelernt werden und Kinder sollten über eine Erziehung zur Vorsicht lernen, dass unbekannte Früchte oder andere Pflanzenteile nicht einfach probiert werden dürfen, eben weil giftige Stoffe darin enthalten sein können.

 

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