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LANGENHAGEN AKTUELL

#RassismusAnkreiden

15.07.2020, 00:00 Uhr

„Das war doch gar nicht böse gemeint“ – der Alltagsrassismus und was kann man dagegen tun

Botschaft "Kein Mensch ist illegal" mit Sprühkreide auf den Boden gesprüht, im Rahmen der Aktion #RassismusAnkreiden

Mit großer Sorge haben die Mitglieder des Integrationsbeirats der Stadt Langenhagen die rassistischen und diskriminierenden Vorfälle der jüngsten Vergangenheit in den USA in den Medien verfolgt. Leider ist Rassismus auch hierzulande kein Fremdwort. Laut der aktuellen Statistik des Niedersächsischen Ministeriums für Inneres und Sport ist die Anzahl der rechts motivierten Kriminalität im Jahr 2019 von 1434 auf 1632 gestiegen.

Mit der Aktion #RassismusAnkreiden“ wollen die Beiratsmitglieder für dieses Thema vor Ort sensibilisieren. Mit bunter Sprühkreide haben sie gemeinsam mit Bürgermeister Heuer am Dienstag, 14.Juli, auf dem Marktplatz Sprüche für Vielfalt und Toleranz gesprüht.

Aufgrund der Corona-Pandemie haben sich die Beiratsmitglieder für diese Form des Protests gegen Rassismus entschieden und nicht zur Demonstration aufgerufen, um niemanden zu gefährden. Sie hoffen, dass diese Sprüche zum Nachdenken anregen und den Menschen länger im Gedächtnis bleiben, als die Sprühkreide auf dem Marktplatz, die mit dem nächsten Regen verschwindet.

Jeden Tag machen Menschen in Deutschland Erfahrungen mit rassistisch motiviertem Verhalten. Sie werden aufgrund ihrer Hautfarbe, ihrer vermeintlichen Religion oder anderer Zuschreibungen diskriminiert und ausgegrenzt. Rassismus zeigt sich in allen Lebensbereichen: bei der Job- und Wohnungssuche, in der Ausbildung, beim Arzt, in der Disco oder auf dem Fußballplatz.

Alltagsrassismus hat viele Gesichter. Es kann ein kleiner Witz oder die Frage nach der (vermeintlichen) Herkunft sein, obwohl man in Deutschland geboren wurde, abwertende Blicke im Bus oder auch die Zurückweisung am Clubeingang. Zum Alltagsrassismus gehören auch „gut gemeinte“ Komplimente wie "Du sprichst aber gut Deutsch" oder lobend gemeinte Verallgemeinerungen wie "Afrikaner sind gute Langstreckenläufer" oder „Araber können gut verhandeln“. Wenn man so ein „Kompliment“ hinterfragt, bekommt man häufig die Antwort: „Wieso? Das war doch gar nicht böse gemeint“.

In Langenhagen leben über 8.500 Personen ohne deutschen Pass. Auch einige von ihnen werden im Alltag mit Rassismus konfrontiert.

Was kann jeder von uns gegen den Alltagsrassismus tun?

Vor allem sein eigenes Handeln und die eigene Wortwahl kritisch hinterfragen. Mehr Achtsamkeit in der Alltagssprache wäre wünschenswert, denn vielen Menschen ist es scheinbar gar nicht bewusst, wie sehr sie andere mit ihren Witzen oder Verallgemeinerungen über Ausländer verletzen.

Gruppenbild bei der Sprühkreide-Aktion auf dem Markplatz. Mitglieder des Integrationsbeirates, Bürgermeister Mirko Heuer, Justyna Scharlé und Uta Mau

Botschaft "Das beste Mittel gegen Rassismus: Das Kennenlernen" mit Sprühkreide auf dem Boden

Hamidou Bouba und Erwin Eder, Vetreter des Integrationsbeirats bei der Sprühkreide-Aktion auf dem Marktplatz, mit Schablonen in der Hand


  
Rassismus – Geschichte eines Wahns

"Das Bewerten von Menschen nach Haut- und Haarfarbe: Woher kommt das? Gehört das Rassenschema zu unserem Denken? Wie wird aus Vorurteilen Rassismus? Wie prägt er unser Bewusstsein?" Diese Fragen stellt sich der Kölner Kabarettist und Autor Marius Jung und fragt in seiner Sendung Historiker sowie Natur- und Sozialwissenschaftler, wie und wieso das Denken in Rassenkategorien entstanden ist und wie sehr uns das rassistische Denken bewusst oder unbewusst bis heute begleitet.

Die Sendung ist in der ZDF-Mediathek bis zum 24.08.2020 als Video verfügbar. Den Link zur Sendung finden Sie unter diesem Link:

https://www.zdf.de/dokumentation/zdf-history/rassismus--die-geschichte-eines-wahns-100.html